Chronik zum 40. Jubiläum der Jugendfeuerwehr

Aller Anfang ist schwer, so kann auch die Gründung der Jugendfeuerwehr Achim beschrieben werden. Aber lassen wir die Zeiten vor der Gründung einmal Revue passieren.

Bereits in den 50er Jahren gab es eine Anzahl Jungen, die Interesse an der Feuerwehr hatten und sich um die Gründung einer Jugendfeuerwehr bemühten. Doch die Wehrführung zeigte kein Interesse und sah auch nicht die Notwendigkeit einer Jugendfeuerwehr, da sich aus der Einwohnerschaft Achims genügend erwachsene Männer für den Dienst in der Feuerwehr fanden. Ein weiteres Problem sah man in nicht geklärten Fragen des Versicherungsschutzes für Mitglieder einer Jugendabteilung. Diese Einstellung änderte sich auch nicht nach Gründung der Deutschen sowie der Niedersächsischen Jugendfeuerwehr im Jahre 1964. Im Gegensatz zu den in der Feuerwehr herrschenden Vorbehalten sahen vorausschauende Kommunalpolitiker die Notwendigkeit der Nachwuchsförderung in der Feuerwehr sehr wohl als wichtig an und die Gründung der Jugendfeuerwehr Dachorganisationen auf Landes und Bundesebene war für sie das Zeichen, hier aktiv zu werden. Hervorzuheben ist das Engagement des damaligen Vorsitzenden des Feuerschutzausschusses, Johann Sokoll, welcher immer wieder auf die Feuerwehrführung zuging, um die Gründung einer Jugendfeuerwehr voranzubringen, nicht zuletzt auch aus dem Grunde, dass die Achimer Feuerwehr das höchste Durchschnittsalter im Landkreis Verden hatte, nämlich 37 Jahre.

In der Jahreshauptversammlung am 12. März 1966 schlägt er unbedingt die Gründung einer Jugendfeuerwehr vor und erklärte, dass die Stadt die Kosten für die Uniformen tragen werde. Weiter führte er an, dass der fehlende Versicherungsschutz kein Argument mehr sei, denn die Mitglieder von Jugendabteilungen der Feuerwehr genießen inzwischen vollen Versicherungsschutz bei der Feuerwehr Unfallkasse. Wenn auch in den Reihen der Feuerwehrkameraden inzwischen ein Sinneswandel eingetreten war, so herrschten doch verschiedene Meinungen vor. Vereinzelt wurde vorgebracht, dass eine Jugendabteilung eine Belastung für die Feuerwehrmitglieder sei, denn für die Leitung und Betreuung werde sehr viel Freizeiteinsatz und Geduld benötigt. Andere wiederum vertraten die Meinung, dass Nachwuchs für die Einsatzabteilung wichtig sei, und vereinzelt wurde die Meinung vertreten, einen Jugendspielmannszug zu gründen. Um in der Sache überhaupt weiterzukommen, einigte man sich darauf, beide Ziele, nämlich Jugendfeuerwehr und Jugendspielmannszug, in Angriff zu nehmen. Zum Jugendfeuerwehrwart wurde der Kam. Dietrich Rippe gewählt, zu Ausbildern für den Jugendspielmannszug die Kam. Friedrich Block, Johann Pusbach, Hinrich Kohlmann und Harry Schnippat. Anlässlich einer Einsatzübung an der Realschule in Achim im März 1966 wurde mit der Mitgliederwerbung begonnen und schon nach kurzer Zeit bekundeten 15 Jungen ihr Interesse an einer Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr.

Der erste Dienstabend und damit die Gründung der Jugendfeuerwehr fand am 18. April 1966 statt.Es wurde ein wöchentlicher Dienst angesetzt, und zwar jeden Freitag von 18.00 bis 19.30 Uhr. Der Dienstplan sah abwechselnd Übungen und Unterweisung in Feuerwehrtechnik und Spielmannszug vor. Im feuerwehrtechnischen Teil des Übungsdienstes galt es erst einmal, die Geräte der Feuerwehr kennen zu lernen und deren Handhabung zu üben. Die Jungen waren sehr eifrig dabei und äußerst anstellig, sodass bereits einige Monate nach der Gründung erstmals an einem Kreiswettbewerb teilgenommen werden konnte und ein beachtlicher 2. Platz erreicht wurde. Da es zu diesem Zeitpunkt im Landkreis ganze 10 Jugendfeuerwehren gab, wurden die Wettbewerbe gemeinsam mit den Gruppen der Einsatzabteilungen durchgeführt. Spezielle Wettbewerbsbedingungen für die Jugendfeuerwehren gab es zu dieser Zeit noch nicht und so kamen hier auch die bei den Einsatzabteilungen üblichen “Eimer-Wettbewerbe“ zur Anwendung. Auch im musikalischen Bereich ging es gut voran. Der Spielmannszug trat anlässlich des Feuerwehrballes im Februar 1967 erstmals öffentlich auf. Weitere Auftritte erfolgten sporadisch, hauptsächlich zu Feuerwehrveranstaltungen innerhalb Achims sowie des Landkreises Verden. Anlässlich eines Auftrittes bei den Unterkreiswettbewerben in Walle im Jahre 1968 fand Oberkreisdirektor Berner besondere Lobesworte für den Spielmannszug und erklärte sich bereit, sich dafür einzusetzen, dass aus Mitteln des Landkreises die noch fehlende Pauke angeschafft wird. Ein Problem des Spielmannszuges war allerdings, dass die mit der musikalischen Ausbildung beauftragten Kameraden keine Übungsleiterausbildung hatten. So mussten die Noten für die Pfeifen in Grifftabelle umgeschrieben werden, welches immer ein großes zeitliches Problem war. Um dieses Manko zu überwinden, wurde durch den damaligen Wehrführer Behnken vorgeschlagen, einmal in der Woche mit dem Morsumer Spielmannszug gemeinsam zu üben, da dieser einen ausgebildeten Übungsleiter hatte. Da die Mitglieder der Jugendfeuerwehr aber in erster Linie Feuerwehrdienst ausüben wollten, fand dieser Vorschlag in ihren Reihen keine Zustimmung. Die Auffassung der JF-Mitglieder musste man akzeptieren und nach geraumer Zeit wurden die Aktivitäten des Spielmannszuges eingestellt. Ab diesem Zeitpunkt wurde nur noch Feuerwehrdienst betrieben, dieser dafür umso erfolgreicher. Ihr Können konnten die Jungen allerdings nur bei Wettbewerben unter Beweis stellen, da aufgrund der Unfallverhütungsvorschriften eine Teilnahme an Einsätzen nicht erlaubt war. Nach sechsjährigem Bestehen der JF wurden die ersten Früchte der Jugendarbeit deutlich: 6 Jugendfeuerwehrleute, alle seit Gründung im Jahre 1966 dabei, konnten nach Erreichen des 16. Lebensjahres in die Einsatzabteilung übernommen werden. Durch diese Übernahme wurde das Durchschnittsalter der Einsatzabteilung erheblich gesenkt. Die Aktivitäten beschränkten sich aber nicht nur auf die bereits genannten Tätigkeiten, denn zum jährlichen Dienstplan einer Jugendgruppe gehört auch Freizeit und Vergnügen sowie Basteln und Werken. So war es selbstverständlich, dass die Jugendfeuerwehr am 1. Landeszeltlager des Nds. Jugendfeuerwehr im Jahr 1968 teilnahm, zumal dieses auch noch vor der Haustür, nämlich im Sachsenhain in Dauelsen, stattfand. Es war schon sehr erhebend, mit Jugendfeuerwehrkameraden aus ganz Niedersachsen zusammen eine Woche in einem Zeltlager bei Sport, Spiel und Freizeit zu verbringen. Die Teilnehmer werden sich sicherlich noch jetzt an den Kam. Maushacke erinnern. Aufbauend auf diese Veranstaltung wurden zukünftig im Sommerhalbjahr Wochenendzeltlager in eigener Regie vorgenommen. Als Zeltplatz diente meistens die Wiese eines Feuerwehrkameraden in der Achimer Marsch an der Weser. Im Kreisgebiet waren die Jugendfeuerwehren zwischenzeitlich soweit angewachsen, dass die Kreisjugendfeuerwehr alle 3 Jahre ein Kreiszeltlager anbot. Ziele waren überwiegend geeignete Orte innerhalb des Landkreises.

Mitte der 70er Jahre wurden für die Jugendfeuerwehr in der Bundesrepublik Deutschland einheitliche Wettbewerbsbedingungen, nämlich der Bundeswettbewerb, eingeführt. Obwohl dieser 3teilige Wettbewerb wesentlich anspruchsvoller war, konnten die Achimer-Jungen auf Kreisebene gleich beim ersten Mal ins Spitzenfeld vorrücken und am ersten Bezirkswettbewerb teilnehmen.

Anlässlich des 10jährigen Bestehens der JF wurde im Oktober 1976 wurde eine 3tägige Freizeit mit Jugendfeuerwehren aus dem Kreisgebiet sowie Gästen aus der Wesermarsch veranstaltet. Im Rahmen dieser Freizeit fand auch die Jubiläumsfeier statt. Jugendfeuerwehrwart war immer noch Dieter Rippe. Als dieser im Jahre 1978 zum Stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt wurde, sah er sich aus zeitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, die Leitung der Jugendfeuerwehr weiterhin auszuüben und stellte sein Amt zur Verfügung. Zu seinem Nachfolger wurde Helmut Bischof vorgeschlagen und in der Herbstversammlung 1978 gewählt, sein Stellvertreter wurde Peter Esser und nachdem dieser andere Aufgaben in der Ortsfeuerwehr übernahm, Stephan Grots. Trotz vorhandener Kenntnisse war auch hier das Sprichwort “aller Anfang ist schwer“ angebracht, denn beim nächsten Kreiswettbewerb fand sich die Jugendfeuerwehr auf dem letzten Platz wieder. Im Laufe der nächsten Jahre konnte auf diesem Gebiet allerdings eine ständige Steigerung erreicht werden, obwohl die Jugendfeuerwehr hinsichtlich der Mitgliederaufnahme kurz treten musste. Da befürchtet wurde, dass man bei einer zu mitgliederstarken Jugendfeuerwehr bei Erreichen der Altersgrenze nicht alle Jungen in die Einsatzabteilung übernehmen könne, wurde von der Wehrführung die Mitgliederzahl auf 11 Jungen begrenzt. Da eine Gruppe nun einmal aus neun Leuten besteht, konnte für Wettbewerbe nicht geübt werden, wenn mehr als zwei fehlten. Aber Wettbewerbe sind ja nicht alles im Jahresablauf einer Jugendfeuerwehr. Neue Betätigungsfelder wurden gefunden, alte wieder neu belebt. So wurde auf Anregung des damaligen Kreisdirektors Jahn in den Osterferien 1980 erstmals eine mehrtägige Fahrt mit einem Ziel außerhalb der Grenzen des Landkreises unternommen. Ziel war das Deutsche Feuerwehrmuseum in Fulda. Fahrten und Lager nahmen im Jahresdienstplan neben Feuerwehr-Ausbildungs und Übungsdienst sowie sportlichen Aktivitäten einen festen Platz ein. Nachdem die Kreisjugendfeuerwehr 1981 erstmals ein Kreiszeltlager außerhalb des Landkreises, nämlich in Potzwenden im Landkreis Göttingen durchführte, war dieses Anstoß für die Achimer Jugendfeuerwehr, mit ihren eigenen Zeltlagern auch nach außerhalb des Stadt bzw. Kreisgebietes zu gehen. Erstes Ziel 1983 war ein Zeltplatz an der Nordsee in der Gemeinde Nordholz. Ab diesem Jahr wurde jedes Jahr in den Sommerferien eine Fahrt über mindestens eine Woche angeboten. Im Jahre 1986 wurde erstmals im Jugend und Freizeitheim Lehringen, welches im Jahr zuvor durch den Landkreis Verden eingerichtet worden war, eine Wochenendfreizeit durchgeführt. Nachdem Jugendwart, Stellvertreter und Jugendgruppenleiter ausreichend praktische Erfahrung auf dem Sektor Fahrt und Lager gesammelt hatten und in der Jugendfeuerwehrkasse ein entsprechendes  finanzielles Polster vorhanden war, wagte man sich im Jahre 1987 erstmals über die Grenzen Niedersachsens hinaus. Ziel war Sonthofen im Allgäu, wo man auf Vermittlung eines dortigen Feuerwehrkameraden einen passenden Zeltplatz gefunden hatte. Schon die Anreise mit der Eisenbahn war für die Jugendfeuerwehrleute ein Erlebnis, denn wer war im Auto und Flugreisenzeitalter schon einmal solch eine lange Strecke mit dem Zug gefahren. Sowohl die Wochendfreizeiten in Lehringen wie auch die Sommerfahrten erfreuen sich bis zum heutigen Zeitpunkt allgemeiner Beliebtheit und werden von den Jugendfeuerwehrmitgliedern gerne angenommen.

Ebenfalls im Jahre 1987 wurden erstmals Jungen aus dem Ortsteil Embsen in die Achimer Jugendfeuerwehr aufgenommen, nachdem dort die Jugendarbeit eingestellt wurde. Die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehr stieg auf 15 und im Jahr darauf auf 22 Jungen. Voraussetzung für die Aufnahme der Embser Jungen war allerdings die Verpflichtung, bei Erreichen der Altersgrenze in die dortige Ortsfeuerwehr zu wechseln.

Die Jugendarbeit bestand allerdings nicht nur aus allgemeiner Jugendarbeit und Fahrten. Schwerpunkt des Jahresdienstplanes war nach wie vor die Ausbildung in Feuerwehrdienst in Praxis und Theorie. Alljährlich zum Kreiswettbewerb konnten die Jugendfeuerwehren des Landkreises beim Jugendfeuerwehr-Kreiswettbewerb ihr Können unter Beweis stellen und für die Besten gab es schöne Preise zu gewinnen. Über lange Jahre war es den Achimern nicht vergönnt, bei diesen Wettbewerben unter die ersten fünf zu kommen. Nachdem der Landkreis anstelle der Wandteller für den ersten Platz einen Wanderpokal gestiftet hatte, welcher in den Besitz einer Jugendfeuerwehr übergehen sollte wenn diese ihn fünfmal errungen oder dreimal in Folge den ersten Platz belegen konnte, änderte sich dieses. Zweimal hatte eine Jugendfeuerwehr aus dem Südkreis den Pokal gewinnen können und diese schickte sich an, den Pokal endgültig für sich zu sicher. Die Achimer gingen mit der Einstellung in das Jahr 1988, dieses nach Möglichkeit zu verhindern. Bereits zu Jahresanfang wurde die Gruppeneinteilung vorgenommen und erstmals war die Jugendfeuerwehr personell so ausgestattet, dass 2 Gruppen am Wettbewerb teilnehmen konnten. Solange Wetter und Lichtverhältnisse es noch nicht zuließen, wurde am Planspiel der Löschangriff geübt, damit später bei den praktischen Übungen jeder wusste was er zu tun hatte. Ab April wurde im Freien geübt, abwechselnd Hindernisbahn, Löschangriff und Staffellauf. Die vielen Übungsdienste zahlten sich aus, beim Kreiswettbewerb konnten die Jungen den 1. und 5. Platz belegen. Ein derart gutes Abschneiden war zwar nur ein Einzellfall, aber den 1. Platz konnten die Jungen auch in den nachfolgenden sechs Jahren immer wieder belegen und so nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Wanderpokal des Landkreises in Besitz nehmen.  Aufgrund der Platzierung bei den Kreiswettbewerben wurde war eine Teilnahme am im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Bezirkswettbewerb obligatorisch und dort konnten Plätze belegt werden, die eine Teilnahme an den jeweiligen Landeswettbewerben sicherten. Wenn dort auch nur noch Mittelplätze erreicht wurden, so war es war für die Mitglieder sicher ein schönes Gefühl, zu den 40 besten Jugendfeuerwehren Niedersachsens zu zählen. Als im Jahre 1993 der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen anlässlich seines 125jährigen Bestehens aus allen Landkreisen des Landes je eine JF-Gruppe zu einem Jubiläumswettbewerb nach Hannover einlud, wurde durch den Kreisjugendfeuerwehrwart ohne irgendwelche Kreisqualifizierung die JF Achim nominiert. Diese bedankten sich für den Vertrauensvorschuss mit der Belegung des ersten Platzes bei diesem Wettbewerb. Es war nicht nur für die Wettbewerbsgruppe sondern auch für die Betreuer ein erhebendes Gefühl, aus der Hand des 1. Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes Pokal und Siegerurkunde in Empfang nehmen zu können. Auch dem Bezirksjugendwart war die Freude darüber anzusehen, dass eine Jugendfeuerwehr aus seinem Bezirk die höchste Punktzahl erreicht hatte.

Frauen war die Mitgliedschaft in der Feuerwehr und Jugendfeuerwehr seit deren Gründung aufgrund gesetzlicher Regelungen verwehrt. Erst in den 80er Jahre wurde durch Änderung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes den Frauen der Eintritt ermöglicht. In den Reihen der Stadtfeuerwehrführung (Stadtkommando) war dieses Änderung sehr umstritten und die Ortsbrandmeister der einzelnen Ortsfeuerwehren wurden mehr oder weniger genötigt, keine Frauen in Ihren Reihen aufzunehmen und auch Aufnahmen in der Jugendfeuerwehr nicht zuzulassen. Der Eid wurde aber offensichtlich auf “bayerisch“ abgelegt, denn schon bald stellten in der einen oder anderen Jugendfeuerwehr in der Stadt Achim Mädchen einen Antrag auf Mitgliedschaft und wurden auch aufgenommen. So auch in der Achimer Jugendfeuerwehr. Im November 1989 stellte mit Heidrun Bischof erstmals ein Mädchen den Antrag auf Aufnahme in die Jugendfeuerwehr Achim. Dieser wurde durch die Mitglieder einstimmig angenommen und auch das Kommando der Ortsfeuerwehr stimmte zu. Damit war zwar der Einstieg des weiblichen Geschlecht in die Feuerwehr auch in der Orts und Jugendfeuerwehr Achim geschafft, aber es sollte noch Jahre dauern, bis weitere Mädchen folgten. Heute sind sie fester Bestandteil der Jugendabteilung und stehen auch nach Übernahme in die Einsatzabteilung dort ihre Frau.

Mit Ablauf der turnusmäßigen Amtszeit von 3 Jahren stellte Helmut Bischof sich in der Jahreshauptversammlung 1993 nicht wieder zur Wahl, da er mittlerweile die 50 überschritten hatte und nicht zum “Berufsjugendlichen“ werden wollte. Ebenfall nicht wieder zur Wahl stellte sich sein langjähriger Stellvertreter Stephan Grots. Zum Jugendwart wurde in der Jahreshauptversammlung 1993 Wolfram Esser gewählt, zu seinem Stellvertreter Ingo Knuppe.

Damit wurde erstmals ein Jugendwart bestellt, welcher selbst lange Jahre Mitglied der Jugendfeuerwehr war und sich mit den Gegebenheiten bestens auskannte. Auch wenn verschiedene Dinge jetzt anders angegangen wurden, blieb die Jugendfeuerwehr kontinuierlich in Ihrer Arbeit. Aufgrund der vorhandenen Erfahrungen konnte im Jahre 1993 erstmals ein Zeltlager für alle Jugendfeuerwehren der Stadt vorgenommen werden, was sich auf die weitere Zusammenarbeit untereinander positiv auswirkte. Im Jahre 1995 erfolgte dann eine große Umstellung. Der Bundeswettbewerb der Jugendfeuerwehren wurde komplett auf neue Wettbewerbsbedingungen geändert. Diese Änderung konnte aber erfolgreich gemeistert und an alter Erfolge angeknüpft werden. Als im Jahre 1995 Ingo Knuppe sein Amt als stellv. Jugendwart aus beruflichen Gründen zur Verfügung stellte, folgte ihm Malte Schlemm in dieser Funktion. Mitte der 90er Jahre dann eine neue Herausforderung: es setzte unter den Mitgliedern eine Fluktuation ein, wie Sie in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht gegeben hatte. Die Mitgliederzahl schwankte ständig zwischen 14 und 30 Jugendlichen. Doch auch diese Herausforderung wurde gemeistert und es werden nach wie vor Jugendfeuerwehrmitglieder nach erreichen der Altersgrenze in die Einsatzabteilung übernommen. Ein Manko blieb allerdings: Trotz Werbung in der örtlichen Presse waren Mädchen in den Reihen der Mitglieder eine Seltenheit. Dieses sollte sich allerdings im neuen Jahrtausend ändern, als die Zahl der weiblichen Mitglieder schlagartig auf 6 hochschnellte. Ob dies wohl am Fahrtziel der Sommerfahrt lag? Denn diese führte nach Tossens an der Nordsee und beinhaltete einen Besuch der Expo am Meer in Wilhelmshaven. Im Jahr 2002 dann ein erneuter Wechsel des stellv. Jugendwartes. Auf Malte Schlemm, der ebenfalls aus beruflichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte, folgte Daniel Arndt. Während der Sommerfahrt 2002 ins Oberallgäu nach Oberstdorf reifte der Wunsch nach einer Videoanlage, um Fahrt und Lagerleben den daheim gebliebenen sowie den Eltern umfangreicher übermitteln zu können. Zu aller Freude konnte dieser Wunsch im Jahre 2004 in Erfüllung gehen.

Als im Jahre 2003 die “Go Sports! Tour des Landessportbundes Niedersachsen aufgrund Bemühungen der Stadtverwaltung nach Achim vergeben wurde, war es für die Jugendfeuerwehr selbstverständlich, sich bei den Vorbereitungen für diese Veranstaltung zu engagieren. Ihr wurde zusammen mit dem TSV Achim die Federführung für die Durchführung übertragen. Als positiver Nebeneffekt ist eine nachhaltige Verknüpfung mit den anderen teilnehmenden Vereinen zu verzeichnen.

Waren als Fahrtziele der Sommerfahrten bisher immer nur in zwei Richtungen, nämlich See oder Alpen dominierend, so war 2004 die Goldene Aue in Thüringen als Austragungsort für das Stadtzeltlager auserkoren. Hier konnten die Jugendlichen erkennen, dass es auch 15 Jahre nach der Wiedervereinigung teilweise großen Gegensätze zwischen West und Ost gibt.

Das Jahr 2005 dürfte allen noch in frischer Erinnerung sein. Erstmals seit 1991 gelang der Jugendfeuerwehr wieder ein großer Wurf. Nach dem 1. Platz auf dem Kreiswettbewerb folgte beim Bezirkswettbewerb der 2. Platz und damit Teilnahme am Landesausscheid, wo der x. Platz erreicht wurde. Doch Jugendarbeit in der Feuerwehr bedeute nicht nur Teilnahme an Wettbewerben sowie Fahrten und Lager, auch wenn dieser Eindruck nach dem Studium dieser Chronik gewonnen werden könnte. Aber es sind die Höhepunkte, an welche man sich gerne erinnert. Nicht zu vergessen sei, dass an unzähligen Dienstabenden immer wieder neue Kinder und Jugendliche mit den Aufgaben der Feuerwehr vertraut gemacht, Gerätekunde betrieben und deren Handhabung sowie der Löscheinsatz geübt und in den Wintermonaten neben Basteln und Werken allgemeine Jugendarbeit betrieben wurde. Hierzu sind im Achimer Feuerwehrhaus gute Voraussetzungen vorhanden und die für die Jugendfeuerwehr verantwortlichen geben sich alle Mühe, diese zu erhalten und zu verbessern.

Mit unserer Chronik sind wir nun am Ende angekommen und stellen uns die Frage, ob die Ziele, welche die Gründungsväter der Jugendfeuerwehr vor Augen hatten, sich erfüllt haben. Das Fazit lautet: Ja, den wie würde die Einsatzabteilung der Ortsfeuerwehr Achim personell wohl ausgestattet sein, wenn nicht in jedem Jahr Mitglieder aus der Jugendfeuerwehr übernommen werden könnten. In der aus 60 Mitgliedern bestehenden Einsatzabteilung verrichten 33 Mitglieder Ihren Dienst, welche einmal im Alter von 10 oder 12 Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten sind. Die ersten werden in diesem Jahr auf eine 40jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr zurückblicken können. Demgegenüber kann man den Eintritt erwachsener Einwohner Achims in die Feuerwehr in den letzten 40 Jahren fast an 2 Händen abzählen. Ein weiterer Aspekt, welcher bei Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahre 1966 wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle spielte, ist die allgemeine Jugendarbeit. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher teilweise hohe Summen durch die Gemeinden und Städte für die Jugendarbeit ausgegeben werden, ein nicht unerheblicher Faktor, welcher hier ehrenamtlich erbracht wird. Ohne überheblich sein zu wollen, kann wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass auf die Jugendfeuerwehr Achim Verlass ist und die Feuerwehrführung bei der Auswahl der Jugendwarte bisher immer eine glückliche Hand hatte, denn in 40 Jahren nur 3 Jugendwarte, das ist schon eine Leistung.

Bilder: